Hallig Hooge

Die Kollegin schreibt: Wenn ich von Urlaub auf Hooge erzähle, ernte ich meist erst einmal Kopfschütteln: „Aber da ist doch nichts. Und was ist das überhaupt, eine Hallig? Für mich ist es einer der schönsten Flecken unseres Landes. Aber der Reihe nach: Mit der Fähre gelangt man von Schlüttsiel oder Nordstrand innerhalb von etwas mehr als einer Stunde nach Hooge. Dort kann man sich am Anleger von seinem Vermieter mit einem der sehr wenigen auf der Hallig fahrenden Autos abholen lassen. Meine Empfehlung: Lieber in eine der Kutschen steigen und sich vom ersten Meter an auf das Naturerlebnis einlassen. Die Kutschen sind die Hallig-Taxis während der Sommersaison.

Gut, nun sind wir auf der Hallig. Und nu? Hooge ist eine einzige grüne Wiese mit insgesamt zehn Warften – das sind Erhöhungen, auf denen die Häuser stehen. Die Warften dienen dem Schutz vor dem Hochwasser, dem so genannten „Land unter“. Auf den Warften finden sich Wohn- und Ferienhäuser, sowie insgesamt sieben Cafes und Restaurants, eine Kirche und eine Schule.

Die Hanswarft: Hooge Downtown

Das meiste Leben spielt sich auf der Hanswarft ab: Hier findet sich neben einer Fischbrötschen-Bude und dem „Klabautermann“, einem Imbiss mit Terrasse, auch das Café „T-Stube“ (nur im Sommer geöffnet). Ich musste leider bei beiden Besuchen lang auf meine Bestellung warten, aber die Waffel mit Pflaumenmus und Sahne hat mich dafür mehr als entschädigt.

Zum Abendessen zieht es mich dann am liebsten in den Seehund gleich gegenüber. Die Karte bietet Hooger Spezialitäten und auch Klassiker. Ein Hochgenuss: Die Krabbensuppe mit Sherry als Vorspeise. Das Lokal ist in fester Hand von Maike, die mit ihren fröhlichen Augen, ihrer angeborenen Gastgebermentalität und ihrem ansteckenden Lachen dafür sorgte, dass ich mich sofort zuhause fühlte. Wer sich selbst verpflegen möchte, kann sich beim Hooger Halligkaufmann mit den wichtigsten Lebensmitteln eindecken (Text geht unter den Fotos weiter!)

Kirche, Kultur & Küstenschutz

Auch einen Besuch wert ist die kleine St.Johannis-Kirche auf der Kirchwarft: Nirgends sonst habe ich bisher Kirchenbänke direkt auf Sand und Muscheln stehen sehen. Die liebevoll bemalten blauen Einrichtung ist typisch friesisch und die kleine weiße Möwe unter dem Kanzeldach eine hübsche Besonderheit. Regelmäßig werden hier Gottesdienste auf plattdütsch gehalten.

Kulturell bieten die Speeldeel und regelmäßige Konzerte Abwechslung vor allem am Abend. Es gibt ein kleines Museum, das Flora, Fauna und die frühere Lebensweise der Hooger nahebringt und im Sturmflutkino kann man sich einen Film – naja genau, über die Sturmflut ansehen. Im Buddelbreef stehen die Highlights der Woche von Wattwanderung bis Folk-Konzert.

Auf der Hanswarft informiert auch ein Naturschutzzentrum über die ökologische Rolle des Wattenmeers und der Hallig. Wer dort ist: Bitte eine Spende dalassen und unbedingt eine Hallig-Führung mitmachen. Die jungen Engagierten, die hier ihr Freiwilliges Ökologisches Jahr verbringen, haben eine Menge Details über die Hallig zu erzählen.

Sonne, Mond und Sterne

Das wahre Highlight an Hooge ist jedoch weder das Essen noch die Zerstreuung – sondern die Natur. Insbesondere für Städter sind der weite Blick bis zum Horizont, die schnell changierenden Wolkenbilder, die atemberaubenden Sonnenunter- und –aufgänge und die Stille Erholung pur. Sind die Tagesgäste abgereist, das Hufeklappern der Kutschpferde verstummt und die Autos geparkt, haben Urlauber die Hallig quasi für sich. Es kann passieren, dass man beim Spaziergang mehrere Stunden niemanden trifft.

Und wer denkt, so eine Hallig lässt sich mal eben zu Fuß umrunden, sollte Ausdauer mitbringen: Der Umfang von Hooge beträgt insgesamt 11 Kilometer und eine Umwanderung sollte in mindestens zwei Tage aufgeteilt werden. Nicht überall ist der Spaziergang am Rand der Hallig leicht: Die Ostroute verläuft teilweise über den Steindeich, der feste Schuhe und einen sicheren Schritt erfordert. Pausen können immer mal wieder auf den Warften eingelegt werden, zum Beispiel im Frerk´s Buernhus – Auf der Backenswarft bieten sich der Friesenpesel und der Blaue Pesel zum Verweilen an.

Ungewohnt ist, nach Sonnenuntergang über die Hallig zu laufen – wer nach einem Restaurantbesuch im Dunkeln auf eine andere Warft heim gehen will, sollte eine Taschenlampe mitnehmen, denn Straßenbeleuchtung gibt es nicht. Belohnt werden Nachtwanderer mit einem Sternenhimmel, der dank der Dunkelheit am Boden schier überfüllt von Sternen erscheint!

Fazit: Darum Hooge!

Wer die Stille liebt, eins mit der friesischen Natur werden will und den Ausstieg aus dem Alltag sucht, ist auf Hooge genau richtig. Charmant, überschaubar und friesisch-freundlich bietet sie Erholung und Ruhe pur. Im Winter ist es geradezu familiär auf der Hallig. Jetzt sind nur wenige Bewohner und die ganz hartgesottenen Fans da. Licht und Schneelandschaft wirken zuweilen wie auf einem anderen Planeten und die Schönheit der unberührten Schneefelder in glitzernder Sonne oder die Linie, an der die Nordsee zu Eis wird, sind unvergleichlich.