ans Meer,  Osteuropa

Auf der Kurischen Nehrung

Als Kind stand ich an der litauischen Ostsee, die viel gewaltigere Wellen hat als in Mecklenburg. Auch DDR-Bürger durften damals in den 80ern nicht auf die Kurische Nehrung – Grenzgebiet. Seitdem wollte ich dorthin, okay … manchmal dauert es genau 40 Jahre.
Die Anfahrt ist wie zu Zeiten Thomas Manns etwas länger; ich bin via Kiel mit der Fähre nach Klaipeda und von dort geht es dann easy per kleiner Fähre und Bus auf die „Neringa“. Nach ein paar Minuten Fahrt ist man der Halbinsel verfallen … woran es liegt? Am Himmel, am Licht, an den Dünen und schönen Holzhäuschen. Für mich natürlich an den wilden Kiefernwäldern. Ja, auch Kiefern können mehr als langweilig in Reihe stehen. Ich bin da eh nicht objektiv: Es ist mein Lieblingsbaum.

In der Hochsaison ist es auch hier zu voll, aber jetzt am Ende des Sommers hat man die Insel sofort für sich allein. In den kleinen Dörfern Pervalka und Preila ist es beschaulich ruhig, einfach ein Rad mieten und erstmal zu den Toten Dünen radeln. Der Blick von oben ist Wahnsinn: auf der einen Seite die Ostsee, auf der anderen das Haff. Das ist auch bei der der Vecekrugas und der Parnidis Düne im Süden, die Aufstiege sind es wert. Nebenbei könnt ihr im September Pilze sammeln 🙂
Wer keine kennt, kann in Preila lecker im Lyra oder Bo House Preila Fisch essen gehen.

Das alte Nidden

An Nida kommt man nicht vorbei. Auch hier waren seit Ende des 19. Jh. Künstler hin gepilgert, um die Dünen und Fischerkaten zu malen. Als Thomas Mann sich 1930 entschied, hier ein Sommerhaus zu bauen, war die Nehrung wie heute zur Hälfte litauisch, auch Nida. Die Geschichte schlägt hier wieder mal krass zu: Königsberg und der südliche Teil der Halbinsel waren lange deutsch, seit Ende des 2. Weltkrieges ist dies jetzt der Oblast Kaliningrad. Der nördliche Teil gehörte in der „Zwischenzeit“ seit 1918 zum unabhängigen Litauen. Erst Anfang 1939 okkupierte Deutschland auch den nördlichen Teil. Stalin verleibte1941 sich das Baltikum ein und machte es zu einem Teil der Sowjetunion. Seit 1990 ist Litauen wieder unabhängig.

Der Ort hat trotz einiger Bauten aus der Sowjetzeit nichts an seinem Charme verloren – zudem ist nicht alles hässlich. Das Kastytis wurde 1965 erbaut, ich vermute mal als Ferienheim für irgendein Kombinat, und ist einfach gut durchdacht. Der Blick auf den alten deutschen Friedhof ist sicherlich nichts für jedermann, ich fand es beruhigend.
Die alten Holzhäuser sind natürlich frisch gestrichen; ein Kurenkahn Kursis liegt für kleine Segeltouren parat im Hafen und das kleine ethnografische Museum (mit interessantem Film über die Kuren) und der Leuchtturm sind quasi ein Muss. Ein bisschen erinnert ein Kurenkahn an die Zeesenboote auf dem Fischland.

Ehrliches Essen gibt es im Sakutis und etwas stilvoller im Rotonda mit Blick auf die Dünen. Kaffee & Drinks könnt ihr im Guboja (dort auch einfache Zimmer) bekommen. Übernachten könnt ihr auch in diversen Ferienwohnungen in den Holzhäusern. Der Campingplatz ist eindeutig zu eng für die Hauptsaison, aber schön im Wald Richtung Ostsee.

Der Strand ist endlos, aber Achtung: Ca. 2 km südlich von Nida kommt die russische Grenze. Nach Stürmen gibt es immer noch Bernstein zu finden und in den Wäldern leben immer noch Elche. Die ursprünglichen Dörfer der Nehrung sind dagegen im Sand verschollen, erst mit der Bepflanzung der Dünen und Wiederaufforstung im 19. Jh. erhielten die heutigen Dörfer ihre Standorte.

Die Halbinsel eignet sich perfekt zum Fahrradfahren, der Europäische Ostseeradweg geht weit weg von jeder Straße durch schöne Wälder und an den Dünen vorbei entlang.

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