in den Osten,  in die Berge

Swanetien

Der Weg nach Swanetien im Kaukasus hat es in sich. Ich bin schön old school mit der Bahn von Tbilisi nach Kutaissi gefahren und auf der anderen Seite des Flusses in diesem Städtchen bei Asmati untergekommen. Der Ort ist ein guter Ausgangspunkt für Fahrten in die Berge oder ans Schwarze Meer. Hier könnt ihr im Baraqa gute Khinkali probieren, mit einer Seilbahn aus den 60ern über den Fluss fahren, die Bagrati Kathedrale aus dem 11. Jh. besuchen und zum Gelati Kloster fahren. Oder auf den Markt gehen. Es ist wirklich nett von den Marktfrauen, wenn sie mich mit „Dewutschka“ an ihre Stände locken wollen 🙂

Die Legende besagt, dass hier einst das antike Kolchis lag und Kutaissi seine Haupstadt war. Die Argonauten landeten folglich am Schwarzen Meer und ließen sich von Medea helfen, das Goldene Vlies zu erbeuten. Dies ging natürlich nicht gut aus, wie mensch weiß. Aber es ist schon ein besonderes Gefühl, sich in einer Landschaft zu bewegen, wo diese Geschichten spielen. Und der Kolchis Brunnen ist übrigens auch ganz schön.

Von hier aus starten die Mashrutkas nach Mestia, einem Bergdorf in Swanetien, welches sich in Zukunft als Skiort etablieren will. Auch wenn das Dorf deshalb in den letzten Jahren sehr erneuert wurde; es wirkt immer noch sehr entspannt. Hier sind dann auch die ersten Wehrtürme zu sehen; die Guesthouses N&N und King Seti haben sogar eigene, auf die ihr dann natürlich klettern könnt. Einkehren zum Essen entweder direkt am Fluss im Khinkali House, oder mit super Ausblick etwas weiter oben im Café Lanchvali bzw. im Hotel Old House – dort unbedingt swanetische Kubdari ausprobieren.
Wenn ihr hier mehr über Swanetien erfahren wollt: Es gibt ein kleines modernes Ethographisches Museum und ein Museum über den Bergsteiger Mikhail Khergiani.

Wehrtürme in Swanetien

Was hat es nun mit den Wehrtürmen auf sich? Im Gegensatz zu anderen Dörfern hat hier nämlich quasi jedes Gehöft, sprich jede Familie einen eigenen Wehrturm. Die Völker im Kaukasus lebten früher als Familienverbände ohne Fürsten oder andere Herrscher, der letztlich auch die Gerichtsbarkeit unter sich hatten. Es wurde alles selbst im Dorf geregelt, was bei größeren Konflikten dann aber bedeutet, dass jede Familie bzw. ein Mitglied der Familie sich im eigenen Wehrturm schützen kann. Besonders eindrucksvoll ist dies im Dorf Ushguli zu sehen.

Die sportlichen Touristen wandern vier Tage von Mestia dorthin; es gibt auch Gasthäuser auf dem Weg. Ich hatte mir dagegen ein Plätzchen im Offroad Auto besorgt. Das Dorf befindet sich auf 2.200 m Höhe, da kann es auch im August mal kalt werden. Und wenn es regnet, geht alles nur noch per Pferd. Oder ihr habt Gummistiefel mit. Wer reiten kann, ist hier übrigens gut aufgehoben. Ob zwei Stunden oder einige Tage, alles ist möglich auszuhandeln. Der höchste Berg Schchara ist übrigens 5.193 m hoch, da wirken die Alpen eher wie ein Mittelgebirge.

Es gibt in Ushguli einige Cafés wie das Enguri und ein klitzekleines Museum. Camping ist möglich bei Anna in Holzhütten. Und es gibt diverse Guesthouses, etwa am Dorfrand das Kochki’s Cozy Guesthouse (sie haben Pferde) oder das Agra mit schöner Holzterrasse. Das war es dann aber auch. Also der richtige Ort zum Entschleunigen.

Und wie ist das Leben dort oben in den Bergen wirklich?